Lahr entdeckt den Lärm

 

November 2008

 
 
15 Jahre nach Beginn der zivilen Luftfahrt auf dem Flugplatz Lahr entdecken nun die ersten Lokalpolitiker die Problematik von Verkehrslärm.

Aber nicht Fluglärm - nein, nein - Bahnlärm!

Als die Anrainer des Flugplatzes Lahr in den 1990ern gegen drohenden Fluglärm prostestierten, ernteten sie nur Hohn und Spott von den verantwortlichen Lahrer Politikern. Die Fluggegner wurden belächelt und diffamiert. Alle Entscheidungen über zusätzliche Fluglizenzen wurden von der Stadt Lahr vorangetrieben, ohne Rücksicht auf die Sorgen der Anwohner. Das Thema (Flug)-Lärm wurde heruntergespielt. Tausende Arbeitsplätze sollten ja schließlich geschaffen werden.

2008 möchte die Bahn mit den Planungen einer Modernisierung der Rheintalstrecke beginnen. Ein 3. und 4. Gleis mit umfangreichen Lärmschutzwänden soll gebaut werden. Plötzlich erkennt man bei Stadt Lahr die Gefahren durch Lärm und nächtliche Ruhestörungen. Eine andere Trassenführung wird ins Spiel gebracht. Sehr viel Geld wird in Gutachten investiert, die die Folgen von nächtlichen Ruhestörungen aufzeigen. Dabei tangiert die Bahnlinie die Stadt Lahr nur in einem kleinen Teil im Westen.

Lokalpolitiker, die Befürworter des Flugplatzes Lahr sind, stellen sich auf den Marktplatz und kämpfen gegen Lärm in Lahr. Bürgermeister machen mobil gegen die Planungen der Bahn. Alle erdenklichen Hilfeleistungen werden durch die Stadt Lahr kostenlos für den Bahnprotest zur Verfügung gestellt. Ein Info-Büro wird in der Marktstraße eingerichtet. Alle Politiker können nun plötzlich mit Dezibel-Werten umgehen und kennen den Unterschied zwischen Spitzen- und Mittelwertpegel. Die gesamte Lokalpresse ist natürlich auch gegen jeglichen Lärm.

In der Zeitung liest man Zeilen wie:
'Lautstarker Protest gegen 50000 Container, die künftig auf Güterzügen mitten durch Lahr rollen sollen'

...erlaubte Grenzwerte, die nachts 49 Dezibel nicht überschreiten dürfen. Doch das ist ein 'gemittelter' Pegel: Lärmspitzen von bis zu 100 Dezibel -so laut ist ein Güterzug, wenn man direkt an den Gleisen steht - sind da nicht ausgeschlossen. "Diese Spitzen reißen die Leute aus dem Schlaf", weiß Bürgermeister Karl Langensteiner. ...Und schließlich dürfen auch Dieselloks auf der Trasse fahren - "Dreckschleudern", so Roland Rehmann, Chef der BI "Auto-Bahn-Trasse".

Hier ergeben sich nun Fragen:
  • Sind es nicht die gleichen Pegel, die damals auch von den Fluggegnern angeführt wurden?
  • Wo waren damals Bürgermeister und Oberbürgermeister?
  • Sind Flugzeuge nicht auch Dreckschleudern?
  • Warum stellt die Stadt Lahr plötzlich erhebliche Mittel zur Verfügung, die der Flugplatz-BI damals verwehrt wurden?
  • Darf sich die Stadt Lahr derart in diesen Entscheidungsprozess einbringen?
  • Wo war das Info-Büro für die Flugplatz-Entscheidungen?
  • Haben die Verantwortlichen überhaupt geografische Grundkenntnisse wenn sie von "Güterzügen mitten durch Lahr" reden?
  • Wo waren die Zeitungsredakteure als es damals um Fluglärm ging?
  • usw., usw., ....
Deshalb: