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Land Baden-Württemberg Meldung vom 25.09.2000
Lärm ein Umweltproblem ersten Ranges
Kongress am 25./26. September 2000 in Mannheim
Umweltbedingter Lärm wird nicht nur als belästigend und störend empfunden, sondern kann auch Stressreaktionen, herz-kreislaufbedingte Beschwerden und Störungen des allgemeinen, des seelischen und körperlichen Wohlbefindens auslösen. Wie Umwelt- und Verkehrsminister Ulrich Müller beim LärmKongress 2000 am Montag (25. September 2000) in Mannheim deutlich gemacht hat, räumt die Landesregierung dem Ziel der Lärmminderung einen hohen politischen Stellenwert ein und wirkt darauf hin, auch andere Entscheidungsträger (Kommunen, Bund, EU) stärker für die Erarbeitung und Umsetzung anspruchsvoller Lärmbekämpfungsstrategien und deren Finanzierung zu gewinnen. Wirksamer Lärmschutz müsse flächendeckend angelegt sein und alle Verursachergruppen und Verantwortlichen einbeziehen. Viele Lärmprobleme seien weniger eine unmittelbare Folge gewerblicher Betätigung, sondern verhaltensbedingt durch das Verkehrsverhalten, die Fahrweise, unsere Gepflogenheiten in Freizeit und Sport und das Verhalten im nachbarschaftlichen Umgang miteinander. „Durch soziale und technische Entwicklungen hat sich die höchst unterschiedlich empfundene Belastung durch Lärm zu einem Umweltproblem ersten Ranges entwickelt. Erfolge sind nur zu erzielen, wenn letztlich die gegenseitige Rücksichtnahme und der respektvolle Umgang miteinander als Maßstab gesellschaftlichen Handelns akzeptiert werden", sagte Minister Müller.
Für Baden-Württemberg liegen nach einer im Auftrag des Umwelt- und Verkehrsministeriums durchgeführten repräsentativen Befragung unter 3.000 Erwachsenen Daten zur Lärmbelästigung vor. Danach fühlen sich über 55 % der Einwohner des Landes durch Lärm in ihrem Wohnbereich gestört oder belästigt. Dabei bestehen erhebliche Unterschiede in der Bedeutung der verschiedenen Lärmquellen für die empfundene Störempfindlichkeit. Der Straßenverkehr wird als die Hauptlärmquelle empfunden, gefolgt von Fluglärm und Nachbarschaftslärm. Der Belästigung durch Gewerbe- bzw. Industrielärm, Schienenlärm sowie Sport- und Freizeitlärm kommt wegen ihrer Abgegrenztheit eine eher lokale Bedeutung zu.
Beim Thema Straßenverkehrslärm wird – so der Minister weiter – der Zielkonflikt, mit der der Lärmschutz zu kämpfen hat, besonders deutlich. Vom Straßenverkehrslärm fühlt sich die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger belästigt. Andererseits gehöre auch die Mehrheit der Bevölkerung als Autofahrer zu den Hauptlärmerzeugern. „Eine Politik, die versucht diesen Zielkonflikt durch ein Zurückdrängen der Mobilität zu lösen, ist nicht mehrheitsfähig. Die einzig realistische Lösung ist das Bemühen, den Verkehr möglichst umweltverträglich zu gestalten", sagte Müller. Dies könne nur durch ein abgestimmtes Bündel von Maßnahmen erreicht werden. Hierzu gehörten Maßnahmen zur Verkehrsvermeidung und Verlagerung auf öffentliche Verkehrsmittel genauso wie Bemühungen zur Senkung des Lärms am einzelnen Fahrzeug, zur Stärkung marktwirtschaftlicher Anreize für lärmarme Technik, bauliche Schallschutzmaßnahmen und situationsangepasste Verkehrsregelungen. Der Minister erwähnte beispielhaft das Engagement des Landes zur Kennzeichnung lärmarmer Reifen, die Bemühungen zum schnelleren Bau von Ortsumgehungen, die Berücksichtigung von Lärmschutzmaßnahmen im Straßenneubau und die Lärmsanierung an bestehenden Straßen.
Nach Darstellung des Ministers sind Ansätze zur Lösung der Lärmproblematik vielschichtig, sie betreffen unterschiedliche Ebenen und Verwaltungen. Das Land habe durch eine Vielzahl von Maßnahmen zur Lärmsenkung beigetragen. Beispielhaft verwies der Minister auf die Beratungstätigkeit der Gewerbeaufsicht im Rahmen der Bauleitplanung und Industrieansiedlung und die Mitwirkung bei Auflagen im Rahmen immissionsschutzrechtlicher und baurechtlicher Genehmigung. Im Bereich der Forschung über innovative Ansätze zur Lärmvermeidung und –verminderung habe die Landesregierung einen sichtbaren Schwerpunkt gesetzt. Da erhebliche Lärmbelästigungen beispielsweise von einem ganz bestimmten Gewerbetrieb oder einer Sportstätte ausgehen können, seien auch die Kommunen stark tangiert. Einer koordinierten, systematischen Lärmminderungsplanung in den Kommunen komme deshalb eine große Bedeutung zu, weshalb man diesem Thema innerhalb des Kongresses auch den größten Raum eingeräumt habe.
Ein weiteres wichtiges Thema ist – wie der Minister deutlich machte – das Problem der Gesamtlärmbetrachtung. Auf den Einzelnen wirkten mit Verkehrs-, Anlagen- und Freizeitlärm ganz unterschiedliche Lärmquellen ein, wobei es dem Bürger letztlich gleichgültig sein dürfte, von welchen Quellen der als störend empfundene Lärm ausgeht. „Nach unserer Meinung muss es das Ziel einer bundesweiten künftigen Lärmschutzpolitik sein, alle Lärmimmissionen gemeinsam zu bewerten und dann quellenbezogene Lärmminderungswege zur Senkung des Gesamtlärms zu entwickeln", sagte der Minister. Hierzu bedürfe es einer Rechtsänderung und – dies müsse von Anfang an gesehen werden – der Etatisierung entsprechender Mittel in den jeweiligen öffentlichen Haushalten.
„Für nachhaltige Erfolge bei der Lärmbekämpfung brauchen wir einen langen Atem", sagte der Minister. Der LärmKongress 2000 solle Lösungsansätze aufzeigen. „Primäres Ziel aller Verantwortlichen auf der europäischen Ebene, bei Bund, Land und Kommunen muss es sein, gesundheitsschädliche Beeinträchtigungen durch Lärm bereits an der Quelle zu verhindern und bestehende Lärmbelästigung insgesamt zu verringern. Dies wird nur gelingen, wenn Bürgerinnen und Bürger durch entsprechendes Verhalten ihren Teil zur Lärmminderung beitragen."
Quelle: Ministerium für Umwelt und Verkehr
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