BI gegen einen Flugplatz Lahr e.V.

Archiv

zurück

vom 27. September 2011   ,         Lahrer Zeitung


 

Stadt will Landebahn kaufen

Gemeinderatsfraktionen befürworten Verhandlungen / Müller: "Nicht um jeden Preis"

von Stefan Maier

 

Lahr. Strategische Weichenstellung in Sachen Flugplatz: Die Stadt Lahr will die Start- und Landebahn kaufen. Darüber soll jetzt mit der Bundesanstalt für Immoblilienaufgaben (BIMA) verhandelt werden. Alle Gemeinderatsfraktionen stehen in dieser Frage hinter der Stadtverwaltung.

Wie mehrfach berichtet, hat die BIMA die Flugbetriebsfläche vor rund einem halben Jahr in einer öffentlichen Ausschreibung zum Kauf angeboten: Im Gegensatz zum übrigen Flughafengelände gehört diese 208 Hektar große Fläche noch dem Bund, weil Lahr in den 90er-Jahren als Nato-Reserveflugplatz vorgesehen war. Es gibt laut BIMA zwar einige Kaufinteressenten, nach Informationen der "Lahrer Zeitung" allerdings keine, die zumindest aus Sicht der Stadt geeignet wären. Die Stadt Lahr will deshalb selbst Eigentümerin des Geländes werden. Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller (SPD) wies gestern bei einem Pressegespräch darauf hin, die Mehrheit des Gemeinderates sei nach wie vor der Meinung, dass eine fliegerische Nutzung den "größtmöglichen Nutzen" für Lahr und die Region bringe. "Wir wollen auch durch den Erwerb die fliegerische Nutzung fördern", betonte Müller. Die Stadt biete am ehesten die Gewähr, dass das Gelände in "gute Hände" komme. Allerdings, so der OB weiter, werde sich die Stadt nicht wie in der Vergangenheit an einer Betreibergesellschaft beteiligen.

Der Gemeinderat befasste sich gestern in nichtöffentlicher Sitzung mit diesem Thema. Dass alle Fraktionen dafür sind, dass die Stadt mit der BIMA Verhandlungen aufnimmt, machten schon vor der gestrigen Sitzung die Fraktionsvorsitzenden gegenüber der Presse deutlich. Das Flugbetriebsgelände sei so wichtig, dass die Stadt die Chance auf einen Erwerb wahrnehmen müsse, sind sich die Vertreter der Gemeinderatsfraktionen einig: Die Start- und Landebahn liegt wie ein "Sandwich" zwischen dem Ost- und Westareal.

"Es geht für die Stadt darum, sich alle Zukunftsperspektiven für dieses Gelände zu sichern", sagte Roland Hirsch (SPD). Wie für Hirsch steht für Ilona Rompel (CDU) das Ziel im Vordergrund, die fliegerische Nutzung zu erhalten. Das sei ein wichtiger Standortvorteil für weitere Gewerbeansiedlungen. Eberhard Roth (Freie Wähler) wies auf die "enormen Wachtstumsraten" hin, die beim Frachtflug zu erwarten seien. "Die fliegerische Nutzung ist auch für uns nach wie vor die erste Wahl", sagte Jörg Uffelmann (FDP).

Auch Claus Vollmer (Grüne) ist dafür, dass die Stadt das Gelände kauft, allerdings aus anderen Gründen: "Für uns ist das der Plan B", wies er auf die Forderung der Grünen hin, ein Konzept für das Flughafengelände ohne fliegerische Nutzung zu entwickeln. "Es gibt keinen seriösen Betreiber, der sich bei der BIMA gemeldet hat", so Vollmer. Das Areal dürfe "auf keinen Fall an einen windigen Investor verscherbelt" werden. Ein Erwerb des Geländes durch die Stadt wäre der "Einstieg in den Ausstieg aus der fliegerischen Nutzung", betonte Vollmer.

"Wir wollen den Erfolg, aber nicht um jeden Preis", machte Oberbürgermeister Müller die Marschrichtung der Stadt für die Verhandlungen mit der BIMA deutlich. Er gehe davon aus, das die Stadt den Erwerb "insofern kostenneutral" gestalten könne, als es Einnahmen durch die Verpachtung gibt. Das Flugbetriebsgelände liegt übrigens zu drei Vierteln auf Lahrer Gemarkung, etwa 50 Hektar gehören zu Friesenheim. Bürgermeister Armin Roesner ist laut Müller darüber informiert, dass Lahr die gesamte Fläche kaufen will.

 
zurück