Archiv
vom 17. Juni 2011 , Badische Zeitung
Flugplatz Lahr: Großes Interesse bei potenziellen Käufern
Die Ausschreibung läuft: Der Lahrer Flugplatz soll verkauft werden – und danach, wenn möglich, weiter ein Airport bleiben. So wünscht es sich jedenfalls die Stadt Lahr. Nun zeichnet sich ab, dass das Interesse groß ist.
Manfred Dürbeck
|
LAHR. Markus Kästel, bei der Freiburger Niederlassung der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) zuständig für den Verkauf des Lahrer Flugplatzes, übt sich in Zurückhaltung: "Es wurden Angebote unterbreitet", sagt er auf die Frage nach der Zahl der Interessenten. Nach BZ-Informationen soll die Zahl der Interessenten um die 20 liegen. Kästel weiter: "Unter den Angeboten sind auch welche mit fliegerischem Nutzungsspektrum." Aber erneut weist er darauf hin, dass das offizielle Ausschreibungsende am 15. Juni keinen ausschließenden Charakter hat. Will sagen: Es können auch Angebote nach dem 15. Juni abgegeben werden. "Wir sind mitten im Verfahren, möglich ist jetzt allenfalls eine Zwischenbilanz", sagt Kästel. "Die bislang eingegangenen Offerten werden jetzt zum einen auf ihre finanzielle Belastbarkeit überprüft und analysiert. Zum anderen schauen wir natürlich auf die Seriosität der Bieter." Ziel sei es, mit den Höchstbietenden in Verkaufsverhandlungen zu treten und zu einem Abschluss zu kommen. "Mit Prognosen, auch was den Zeithorizont anbelangt, bin ich aber vorsichtig", antwortet er auf die Frage, wann mit Ergebnissen zu rechnen sei. "Es wäre schön, wenn wir in Richtung Herbst mehr Klarheit haben." Die jetzt anlaufende Analyse der Angebote ist bewusst offen. Falls in der Zwischenzeit weitere Offerten zusätzlich eintreffen, sollen auch sie ins Verfahren eingespeist werden. Verkaufsüberlegungen wurden Ende April bekannt "Wir können den Markt gestalten, zaubern können wir nicht", versucht Markus Kästel zu hoch fliegende Zielvorstellungen zu dämpfen. "Wir geben unsere bestes, um den Markt auf Möglichkeiten der fliegerischen Nutzung auszuloten." Dass die kommunale Seite ins Prozedere gut eingebunden ist, bestätigte Oberbürgermeister Müller: "Ich bin nah dran." Auch Sandra Wagner, Prokuristin bei der Industrie- und Gewerbezentrum Raum Lahr GmbH spricht von einem guten Austausch mit der BIMA. Es sei bereits über Offerten gesprochen worden. Ende April hatten Wolfgang G. Müller und sein Friesenheimer Amtskollege Armin Roesner überraschend bekannt gegeben, dass die BIMA im Zuge einer gebündelten Ausschreibung die Flugbetriebsflächen mit einer Größe von 210 Hektar zum Verkauf anbieten will. Zum anderen sollen die Geschäftsanteile der Betreibergesellschaft Black Forest Airport Lahr durch den Mutterkonzern Babcock & Brown veräußert werden. Roesner und Müller hatten der BIMA politische Unterstützung zugesichert. Beide unterstrichen, dass sie am Ziel einer fliegerischen Nutzung nicht rütteln wollen: "Die Flächennutzungspläne der Stadt Lahr und der Gemeinde Friesenheim weisen die Flächen rund um die Landebahn und den taxi-way als Flugbetriebsflächen aus, machten sie deutlich. Der Flughafen sei immerhin eine der größten Verkehrsin-frastruktureinrichtungen in Südbaden – mit einer der leistungsfähigsten Landebahnen Süddeutschlands. Hoffnung auf einvernehmliche Entscheidung Zwar hätten die Kommunen beim Zuschlag kein Vetorecht, Roesner und Müller gehen aufgrund der bisherigen guten Kontakte aber davon aus, dass es zu einer einvernehmlichen Entscheidung kommen wird, bei der über einen privaten Betreiber weiter Fracht- und Geschäftsflüge möglich sind. Entscheidend sei dabei in erster Linie nicht das Höchstgebot, sondern die konzeptionellen Vorstellungen des Investors. Für ein unterschiedliches Echo hatte die Nachricht bei den Fraktionen im Lahrer Gemeinderat gesorgt. Nachdem die Grünen erneut ihr klares Nein zu einer fliegerischen Nutzung des Areals unterstrichen und vehement neben einer öffentlichen Debatte einen Plan B gefordert hatten, meldeten sich die Vorsitzenden der vier anderen Fraktionen zu Wort. CDU, SPD, FDP und Frei Wähler werteten den Vorstoß der Grünen als kontraproduktiv. Er schade den Interessen der Stadt, erklärten sie unisono. Ziel sei es wohl, Kaufinteressenten zu verprellen, wurde gemutmaßt. |
