BI gegen einen Flugplatz Lahr e.V.

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vom 13. September 2010   ,         Lahrer Zeitung


 

Airport klebt weiter am Boden

Konkurrenzkampf mit Söllingen entschieden / Schwierige Suche nach frischem Geld / Konzentration auf Luftfracht

Jürgen Becker

 

Lahr. Eigentlich müsste der Black Forest Airport (BFAL) boomen. Doch der Flughafen Karlsruhe/Baden-Baden (FKB) in SÖllingen (Landkreis Rastatt) hat den Kampf um die Passagiere längst für sich entschieden. Skeptiker glauben gar, dass Lahr auch beim anziehenden Geschäft mit der Luftfracht nur Zuschauer bleiben wird.

Investor Wiggins hatte 200.000 Tonnen Fracht und 500.000 Fluggäste im Jahr für Lahr versprochen. Babcock & Brown waren gar von 1,2 Millionen Europa-Park-Passagieren ausgegangen. Daraus geworden ist nichts. Fieberhaft wird derzeit nach frischem Geld gesucht.

Verhandlungen ziehen sich seit Monaten hin

"Die Verhandlungen mit mehreren Interessenten für den BFAL werden sich sicher noch einige Wochen hinziehen. Wir sind aber nach wie vor zuversichtlich, in naher Zukunft einen Partner, Käufer oder Beteiligten mitteilen zu können", sagt Martin Rey von Bacock & Brown auf Anfrage unserer Zeitung.

Der Lahrer Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller (SPD) "weiß nicht, mit wem Babcock & Brown sprechen, aber wir haben von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gehört, dass es Interessenten gibt". Für Müller ist das "ein Beleg dafür, dass der Flughafen für Investoren durchaus interessant ist".

Dennoch prägt inzwischen Realismus die Ziele des Stadtoberhaupts. "Sicherlich wird sich der Flughafen auf das Frachtfluggeschäft, auf Logistikdienstleister und auf Firmen, die dort produzieren und Komponenten einfliegen lassen, ausrichten", sagt er.

Ein Blick zurück: Anfang der 90er-Jahre ziehen die Kanadier ab. In Söllingen und Lahr werden Flugplätze frei. Mit der Landebahn, deren Länge und Tragfähigkeit nur von der des Flughafens Frankfurt übertroffen wird, ist Lahr klar im Vorteil, zumal es dort bereits auch einen Autobahnanschluss und die Rheintalbahn gibt. Der damalige Ministerpräsident Erwin Teufel (CDU) spricht sich indes für Söllingen aus. Lahr, die industrie- und Handelskammer Südlicher Oberrhein, die Städte Offenburg und Freiburg, die neben der Stadt Lahr am Lahrer Flugplatz beteiligt sind, geben sich mit einer Genehmigung für ein Verkehrslandeplatz für Flugzeuge mit 20 Tonnen Höchstgewicht zufrieden - weil Freiburg und Offenburg sich für mehr nicht erwärmen lassen.

Als später der Flugplatz in private Trägerschaft mit rund 40 Anteilseignern überführt wird, soll Lahr zum internationalen Frachtflugzentrum ausgebaut werden. Bedingung dafür: Nachtflugerlaubnis und keine Tonnagebegrenzung. Die Umlandgemeinden begehren aus Angst vor dem Fluglärm auf.

Auf Drängen von Günther Oettingers, damals CDU-Fraktionschef, ändert die Landesregierung ihren Kurs. In Söllingen steigen das Land und die Landeshauptstadt ein, Lahr erhält eine unbegrenzte Frachtfluglizenz. Der damalige Investor Wiggins einigt sich auf einen Flugverzicht zwischen 0 und 6 Uhr. Das gilt bis heute. Lahr erhält im Jahr 2001 eine Zollstelle auf Probe, bis das Bundesfinanzministerium den Probebetrieb nicht mehr verlängern will, angeblich wegen "fehlenden Bedarfs". Gerichte werden bemüht, Jahre vergehen, das Frachtgeschäft ruht. OB Müller sagt heute dazu: "Land, Stuttgart und Umlandgemeinden haben viel Geld in Söllingen investiert. Deshalb sollte dort der fliegerische Erfolg nicht gefährdet werden. Dafür ist die Marktwirtschaft ausgehebelt worden."

Weil in Söllingen die Passagierzahlen rasant steigen, greift die BFAL vor gut fünf Jahren nach einem Strohhalm: eine eingeschränkte Passagierfluglizenz für Gäste des Europa-Parks und Schwarzwald-Touristen. Erneut Sperrfeuer aus Söllingen, schließlich dürfen nur Europa-Park-Gäste starten und landen. Die ersten kommen im Jahr 2005. Doch "trotz eines Kantersieges in erster Instanz" (OB Müller) geben Babcock & Brown den Kampf um die uneingeschränkte Passagierfluglizenz auf. "Ich vermisse da den Weitblick", sagt Müller.

Passagierflugzeuge mit mehr als 20 Tonnen Gewicht dürfen in Lahr nach wie vor nicht landen. 13. 000 Starts und Landungen hat die BFAL-Betreiber-Gesellschaft eigenen Angaben zufolge im vergangenen Jahr registriert: Privatflieger, Geschäftsreisende - Tendenz steigend. OB Müller versprüht Optimismus. "Ich bin sicher, das sich in den nächsten Jahren der Passagierflugverkehr in Lahr etabliert - das wird nicht schnell, aber es wird passieren."

Derzeit schweben aber selbst die Europa-Park-Gäste über Söllingen ein. "Die meisten kommen aus Wien", sagt eine Pressesprecherin. Zahlen nennt sie nicht. "Da Babcock & Brown keine Kapazitäten eingekauft haben, freuen wir uns, dass wir einen anderen Partner gefunden haben." Zwar sei Lahr für Anreisende natürlich bequemer Doch auch für Prominenz wie Sabine Christiansen, die kürzlich da war, sei Söllingen "okay".

Martin Rey ist inzwischen neben Axel Grossmann Geschäftsführer der Black Forest Airport GmbH. Das Frachtgeschäft liegt am Boden. Satistiken zur Tonnage: keine. Zwar gibt es laut Grossmann inzwischen die Zusage, dass Einzelgenehmigungen für die Zollabfertigung wieder problemlos erteilt würden. Dennoch werden in Lahr nur vereinzelt Güter umgeschlagen. "Wir haben Jahre verloren, weil das Bundesinnenministerium die Zollabfertigung mit der Behauptung, die Verwaltungsökonomie spräche dagegen, von uns ferngehalten hat", klagt Grossmann.

24-Stunden-Betrieb "eine Glaubensfrage"

Nach der Krise zieht das Luftfracht-Geschäft derzeit wieder an. Skeptiker glauben dennoch nicht, dass Lahr davon profitieren könnte: Ohne Nachtflüge seien die Frachtfluggesellschaften in ihrer Planung zu sehr eingeschränkt, ein internationales Frachtflugzentrum erfordere einen 24-Stunden-Betrieb.

"Das ist ein Glaubensbekenntnis", kontert Grossmann. "Die meisten denken da an Unternehemn wie UPS, die tagsüber eingesammelte Fracht nachts ausfliegen müssen." Andere Fracht dränge jedoch nur in die Nacht, weil tagsüber die meisten Flughäfen durch den Passagierverkehr ausgelastet seien, es nicht genügend Stellflächen und Flugkorridore gebe. "Dass alles ist bei uns überhaupt kein Problem."

Grossmann glaubt weiter an ein florierendes Frachtgeschäft in Lahr. "Da wollen wir jetzt Fuß fassen. Durch unsere gute Infrastruktur und die zentrale Lage in Europa haben wir ein Pfund, mit dem wir wuchern können."

 
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