Archiv
vom 21. Juni 2006 , Badische Zeitung
Nur die Grünen stören sich an der Geschlossenheit der Region
Lahrs Gemeinderat kommentiert die beschränkte Lizenz für den Flugplatz: Die einen hoffen auf Arbeitsplätze, einer aufs betriebswirtschaftliche Desaster
von Manfred Dürbeck
|
LAHR. Eigentlich wurde zum Thema schon alles gesagt. Nur der Gemeinderat hatte die Entscheidung des Regierungspräsidiums noch nicht kommentieren dürfen. Bekanntlich hat die Behörde dem Lahrer Flugplatz die beschränkte Passagierfluglizenz erteilt — Vollzug sofort (wir berichteten). Am Montagabend war im Gemeinderat die große Stunde der Danksagungen (OB, CDU, SPD, FWV, FDP) und der dezidierten Kritik (Grüne). Oberbürgermeister Wolfgang G. Müller sah die Entscheidung als “großen Punkt hinter einem jahrelangen politischen Prozess” . Lahr habe zwar die Grundlage für eine fliegerische Nutzung des Flugplatzes gelegt. Das Zustandekommen der Lizenz sei aber auf die Geschlossenheit der Region zurückzuführen; der Lahrer Gemeinderat und viele gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Kräfte in Südbaden seien beteiligt gewesen. Ihnen allen dankte Müller. Ilona Rompel reihte sich als Erste in den Reigen ein. Sie versprach sich von der Entscheidung einen Schub für die Entwicklung des Wirtschaftsstandorts Lahr, den dieser angesichts von Grohe und BTM auch brauche. Rompel dankte dem Investor Babcock & Brown, der auch in schwieriger Zeit zu Lahr gestanden habe und Ministerpräsident Oettinger, der erheblichem Druck Stand gehalten habe. Im gleichen Atemzug übte sie heftige Kritik an Söllingen und den politisch Verantwortlichen im Raum Karlsruhe. “Wer einen Flughafen mit öffentlichen Mitteln betreibt und Mitbewerber mit unseriösen Mitteln bekämpft, muss sich fragen lassen, ob er am rechten Fleck sitzt. Was dort lief, war unter aller Kanone.” Als “Schwerstarbeit” bewertete Walter Caroli die Mühen auf dem Weg zur Lizenz. “Es gab nicht nur Störfeuer aus Karlsruhe, sondern auch einflussreiche Landespolitiker, die sich bis zuletzt gegen Lahr eingesetzt haben.” Lahr und der Zweckverband hätten jetzt eine andere Zukunft. Auch Eberhard Roth begrüßte die Entscheidung und zeigte sich froh, dass das politische Trauerspiel ein Ende gefunden habe. Die Lizenz sei auch ein Bekenntnis zu wirtschaftlicher Dynamik. “Das Konzept hat einen Hauch von Seriosität” , befand Claus Vollmer, bevor er zur Fundamentalkritik ausholte. Sollte das Vorhaben betriebswirtschaftlichen Erfolg haben, müsse Lahr ein ökologisches Desaster befürchten. Die Lizenz sei kein Erfolg für Lahr, sondern für die Familie Mack und den Europa-Park, der jetzt einen Privatflugplatz erhalten habe. Dies sei wieder einmal ein Beleg, dass Gewinne privatisiert, die Nachteile aber auf die Allgemeinheit umgewälzt würden. “Viele Lahrer haben noch nicht kapiert, dass sie von hier aus gar nicht fliegen dürfen.” Sollte sich diese Erkenntnis durchsetzen, werde die Euphorie rasch bröckeln, meinte der Grüne. Sein Fazit: “Ein betriebswirtschaftliches Desaster wäre das Erfreulichste für Lahr. Warten wir´ s ab, ob´ s ein Punkt oder ein Pünktchen wird.” Das wiederum wollte Jörg Uffelmann nicht unkommentiert stehen lassen. Er wandte sich gegen Vollmers “Miesmacherei” . Dass die Lahrer Bevölkerung durch den Flugbetrieb Schaden nehme, sei völlig überzogen. 75 Prozent der Lahrer Bevölkerung hätten einer fliegerischen Nutzung zugestimmt. “Wir alle hoffen auf Synergieeffekte” , sagte Uffelmann. Ohne Politik und die Geschlossenheit der Region wäre gar nichts gegangen, zeigte er sich überzeugt. Insofern liege Vollmer auch mit seiner Einschätzung daneben, “dass Mack das Ding allein gedreht hat.” Als dann noch Klaus Pfütze darauf verwies, dass Lahr schließlich das Potenzial zum internationalen Flugplatz habe, sah sich Vollmer bestätigt: “Endlich ist es ausgesprochen, was alle wollen.” Vorauf Uffelmann erwiderte: “Wir haben das nicht in der Hand. Das ist Sache der Betreiber.” |
