BI gegen einen Flugplatz Lahr e.V.

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vom 2. Dezember 2005   ,         Mittelbadische Presse


 

Der Traum von einer Jobmaschine

Babcock & Brown und der Europa-Park wollen Garant für einen florierenden Flugplatz Lahr sein

 

Von: Andreas Richter

 

Der Black Forest Airport in Lahr steht wieder einmal an der Schwelle zu einem Neubeginn. Der neue Eigentümer an der Rollbahn, die australische Investmentfirma Babcock & Brown, präsentierte jetzt in Lahr ihr Konzept für die Zukunft des Flugplatzes (wir berichteten). Und das heißt: Mit den Marken Europa-Park und Schwarzwald sollen Kunden von weit her nach Lahr gelockt werden. »Inbound traffic« heißt das – es bedeutet, dass Flugpassagiere nach Lahr gebracht werden. Roland Mack, geschäftsführender Gesellschafter des Europa-Parks in Rust, beteuerte, dass man alle Chancen für neue Gästepotenziale sehe, vor allem solche »aus deutlich größerer Entfernfung«.

Babcock & Brown (BNB) hatte in den vergangenen Wochen mehrfach Gespräche mit der baden-württembergischen Landesregierung geführt und das Konzept dort vorgestellt. Wichtig sei dabei die klare Abgrenzung von den Geschäftszielen des benachbarten Söllinger Baden-Airports gewesen, schilderte Martin Rey, der deutsche Europamanager für BNB, in Lahr. Sölllingen setzt auf »outbound traffic« – deutsche Touristen jetten zum Urlaub in die Sonne –; Lahr will künftig Urlaubsziel sein und die Massen anlocken. Rey nannte Briten, Italiener und Osteuropäer, die man per Charterflug und Pauschalangebot am südlichen Oberrhein einfliegen könnte. Mack setzte noch eins drauf: Er würde schon heute im Park »sehr viele Araber« sehen, sagte er, was Rey zu der Bemerkung nötigte, vielleicht werde man dereinst aus Kuwait kommend in Lahr landen können. Auf alle Fälle sei der »Black forest« weltweit ein Begriff.Babcock & Brown und Europa-Park haben durchaus starke Argumente auf ihrer Seite. Beide haben in den letzten 30 Jahren eine Boom-Entwicklung hingelegt: BNB beschäftigt an 20 Standorten weltweit 600 Mitarbeiter, allein in Deutschland wurden seit 1997 über zwei Milliarden Euro investiert. Der Europa-Park lockte als weltgrößter saisonaler Freizeitpark in dieser Sommersaison 3,5 Millionen Besucher an; 2800 Menschen arbeiten hier, 8000 Arbeitsplätze in der Region hängen indirekt vom Park ab – für Mack »erhebliche Wertschöpfungseffekte«.

Und beide, Mack wie Rey, warfen auch einen Blick auf das Urlaubsziel Schwarzwald. Den Angaben zufolge sind die Besucherzahlen rückläufig, das Durchschnittsalter der Gäste ist mit 51 Jahren zu hoch. Ganz anders der Park in Rust: von Jahr zu Jahr mehr Besucher, und die sind im Schnitt 27 Jahre jung. Rey und Mack setzten bei der Vorstellung ihres Konzepts auf die »Symbiose« zwischen Airport und Park. Dies könne, so Rey, zu einer »Jobmaschine« werden. Was für die Investoren noch zählt, ist das »Alleinstellungsmerkmal« des Lahrer Flugplatzes: eine Start- und Landebahn von ausreichender Länge und höchster Belastbarkeit in einem »exzellenten Zustand« – dies ist laut Rey »fast einzigartig in der Welt«.

Es wird spekuliert

Noch sind alle Fliegerträume Zukunftsmusik, denn das Stuttgarter Kabinett, bisher federführend in der Verweigerung des Verkehrsflughafenstatus, schwieg auch gestern. Staatsminister Willi Stächele erklärte auf Anfrage, in Sachen Schwarzwald-Flugplatz gebe es für die Landesregierung nichts Neues zu berichten.So schießen die Spekulationen ins Kraut. Hinter den Kulissen wird offen darüber diskutiert, ob BNB nach Lahr auch den Flughafen Söllingen übernehmen könnte? Damit wäre das landes- und verkehrspolitische Problem auf der ehemaligen Airbase der Kanadier in Lahr sauber gelöst. Rey hatte bei einer Anhörung in Lahr bestätigt, dass sein Unternehmen »weitere Beteiligungen an Flughäfen« suche. Erst jetzt hat BNB den Angaben zufolge den Flugplatz im tschechischen Pilsen übernommen und sich für eine rund 650 Millionen Euro teure Drittelbeteiligung an den Mailänder Großflughäfen beworben.

Ferner sickerte durch, dass das Staatsministerium eine »Lex Europa-Park« juristisch prüfen lässt. Das könnte bedeuten: Ministerpräsident Günther Oettinger erwägt, eine Lizenz zugunsten von Flügen mit Besuchern des Europa-Parks zuzulassen – mehr aber nicht. Doch so mancher unterstellt den Landespolitikern schon, sie wünschten, die Spekulation über die BNB-Übernahme Söllingens werde Wirklichkeit. »Die Australier sprechen über alles«, bestätigte BNB-Pressesprecher Klaus Thiel gestern. Dabei ist der Black Forest Airport längst zur Kraftprobe zwischen den Wirtschaftsführern in Süd- und Nordbaden geworden. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) in Karlsruhe lässt keine Gelegenheit aus zu betonen, dass der badische Landesteil mit Söllingen über einen wirtschaftlich prosperierenden Passagierflughafen verfüge. Die Aufnahme von Passagierflügen in Lahr würde dessen Existenz in Frage stellen. Ganz anders argumentiert der IHK-Präsident aus Freiburg. Karlhubert Dischinger unterstützt »ohne Wenn und Aber« Lahr.

 
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