BI gegen einen Flugplatz Lahr e.V.

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vom 13. September 2005   ,         Bürgerinitiative gegen einen Flugplatz Lahr e.V.


 

Wiggins-/ Plane Station Story

Die Ära "Wiggins / Plane Station" geht zu Ende. Nach über 4-jähriger Präsenz am Flugplatz Lahr ist die Mutter der "Black Forest Airport GmbH" insolvent. Zeit für uns, als "Bürgerinitiative gegen einen Flugplatz Lahr e.V.", die letzten Jahre des Flugplatzes Lahr und des Betreibers zusammenzufassen.

Bürgerinitiative gegen einen Flugplatz Lahr e.V.

 

Seit Anfang 2001 recherchierte die BI über Wiggins, Plane Station und EUJet im Internet. Dank engangierten englischen Aktionären, die sich in Internet-Foren austauschten, kam die BI immer wieder an aktuelle Neuigkeiten über den Betreiber des Flugplatzes Lahr. Weitere Informationen erhielten wir durch web-Seiten von Lokalzeitungen in Kent/England, "Financial Times", usw.

Die damaligen Gesellschafter des "Flugplatz Lahr GmbH" (FLG) waren Ende 2000 froh, einen Interessenten für den Flugplatz gefunden zu haben. Man war mitten im Genehmigungsverfahren für uneingeschränkten Frachtflug. Bis 2004 sollten jährlich 150.000 Tonnen Fracht abgefertigt, zusätzlich 160 Arbeitsplätze geschaffen werden. Allerdings wusste damals weder der Geschäftsführer Kurt Jäger noch die Mehrheitsgesellschafter, wie man an entsprechende Verträge mit Frachtfluglinien kommt. Im Februar 2001 übernahm die britische "Wiggins Group plc" als Mehrheitsgesellschafter den Flugplatz Lahr. Kurt Jäger wurde im August 2001 durch die Engländerin Ann Reynolds ersetzt. Reynolds hatte von Wiggins den Auftrag, den Flugplatz Lahr in das "Plane Station"-Konzept einzubinden. "Plane Station" sollte ein weltumspannendes Netz von Regionalflughäfen im Besitz von Wiggins werden. Wiggins beteiligte sich im Laufe der folgenden Jahre an insgesamt 11 Flugplätzen. Allerdings immer begleitet von einem bitteren Beigeschmack, was die Zahlungsmoral und die Informationspolitik anging. Auch die früheren "Alt-Gesellschafter" der FLG mussten lange auf Auszahlung ihrer Einlagen warten.

Nachdem Wiggins endgültig die Regie in Lahr übernommen hatte, erfolgten große Versprechen, angefangen von 400 Arbeitsplätzen in den nächsten 3-4 Jahren bis hin zu großen Plänen mit internationalen Cargo-Unternehmen. Im Sommer 2001 erhielt der Flugplatz Lahr die umstrittene Frachtflug-Lizenz. Wiggins erkannte (auch auf den anderen Plane Station-Flugplätzen), dass Frachtflug alleine nicht wirtschaftlich betrieben werden kann. So fiel im Herbst 2002 erstmals das Wort "Passagierflug" in Lahr. Mit Unterstützung lokaler Unternehmer stellte Wiggins im Dezember 2002 den Antrag auf Passagierflug. Da dies aber früheren Absprachen zwischen Söllingen, Lahr und der Landesregierung zuwiderlief, versucht(e) die Landesregierung dies Vorhaben zu verhindern. Die frühere Absprache war eine Vereinbarung, nachdem Söllingen Passagierflug und Lahr Frachtflug abwickeln sollte. Diese Vereinbarung ging auch in die Landesentwicklungsplanung von Baden-Württemberg ein. Aufgrund dieser Planung wurden in Söllingen hohe Millionenbeträge (auch Steuergelder) investiert.

Inzwischen gab es bei Wiggins erste finanzielle Schwierigkeiten. Bis Mitte 2002 konnte man, durch Grundstücksverkäufe, die finanziellen Mittel zum Kauf und Betrieb der Plane Station-Flugplätze selbst erbringen. Im Laufe der Zeit war man aber immer häufiger auf Bankkredite angewiesen. Weiter versuchte man durch Ausgabe von Aktien an neues Geld zu kommen. Der Aktienkurs allerdings fiel unaufhörlich. Im Jahr 2003 war dann zum ersten Mal von "drohender Insolvenz" bei Wiggins die Rede. Keiner der Flugplätze arbeitete bis dahin wirtschaftlich.

Anfang 2004 änderte man den Namen von Wiggins in "Plane Station Group plc" und unterstrich dadurch den Willen zum Flughafen-Netzwerk. Im April 2004 wurde der langjährige Wiggins-Chef Oliver Iny "beurlaubt". An seine Stelle trat später Martin May. Bei Veröffentlichung der Geschäftszahlen im Juli 2004 wurde klar, dass Plane Station auf viele Jahre hinaus Schulden machen würde. Die geldgebenden Banken und Großanleger wurden immer misstrauischer. Darauf folgte Personalabbau quer durch alle Hierarchien. Auch die Geschäftsführerin des umbenannten "Black Forest Airport Lahr" wurde im Juli 2004 entlassen. Ihr war es nicht gelungen, nennenswerten Geschäfte in Lahr zu entwickeln. Als einziger Ausweg aus der finanziellen Notlage erschien Martin May, der Einstieg bei der jungen Billigfluglinie EUJet. EUJet startete den Flugbetrieb im September 2004 ab Manston zu einigen europäischen Zielen. Die Fluggastzahlen blieben aber weit hinter den Erwartungen zurück. Im November 2004 wurde die Plane Station-Zentrale in London aus Kostengründen aufgegeben und nach Manston/Kent verlegt.

Im Laufe des Jahres 2004 begann man, sich von unprofitablen Flugplätzen zu trennen. Am Flughafen Parchim/Mecklenburg-Vorpommern verabschiedete man sich im Januar 2005. An manchen Orten, so auch in Parchim, wurden dadurch Vertragsstrafen fällig. Es blieben nur noch die "Kernflughäfen" Manston/Kent, Melbourne/USA und Lahr übrig. Durch den hohen Geldbedarf, infolge zu geringer Passagierzahlen und drastisch gestiegener Spritpreise, der inzwischen aufgekauften Fluglinie EUJet geriet Plane Station immer weiter in finanzielle Schwierigkeiten. Man versuchte die Passagierzahlen künstlich zu erhöhen, indem man Flugtickets zu 1 Euro und weniger anbot. Auch diese Marketingstrategie ging, wie so viele zuvor, nicht auf. Im Juli 2005 drehten die Banken den Geldhahn zu. Plane Station ging (mit nahezu 50 Millionen Euro Schulden) in "Zwangsverwaltung". Alle Aktionäre haben ihr Geld verloren. Die beauftragte Unternehmensberatung Grant Thornton verkauft den Flughafen Manston an die neuseeländische Aktiengesellschaft "infratil".

Alle oben genannten Informationen standen den Verantwortlichen in Lahr IMMER zur Verfügung. Die BI hat während der "Ära Wiggins" immer wieder auf die realen Verhältnisse hingewiesen - leider meist vergeblich.

Schließen möchten wir mit einem Spruch, den uns ein Informant bereits Ende 2000 bei einem BI-Treffen sagte: "Gehen Sie nie mit Wiggins ins Bett - es gibt nur hässliche Kinder".

 
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