BI gegen einen Flugplatz Lahr e.V.

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vom 5. April 2004   ,         Offenburger Tageblatt


 

Bei Planestation geht die Angst um

Betreiber des Lahrer Flugplatzes: Privatanleger wehren sich und wollen ihren alten Chef zurück

Von unserem Korrespondenten Jochen Wittmann

 

Eine ungewöhnliche Aktion haben britische Privatanleger der PlaneStation Group (PSG) gestartet. Die PSG, die den Flughafen Lahr betreibt, entließ vor drei Wochen ihren Geschäftsführer Oliver Iny. Jetzt wollen Aktionäre nach Informationen der MITTELBADISCHE PRESSE ihren alten Chef wieder zurück. Sie gründeten die Gruppe »PSsilentmajority« (Planestation Schweigende Mehrheit), installierten eine Webseite (www.pssilentmajority.org) und veröffentlichten eine Presseerklärung, in der es hieß, dass sie um den Fortbestand des Unternehmens fürchten. Sie verlangen die sofortige Wiederbestellung von Iny und das Festhalten and er Unternehmensstrategie, die mit Inys Namen untrennbar verbunden ist. Das Plane-Station-Konzept- die Betreibung eines internationalen Netzes von regionalen Flugplätzen-sei unter dem neuen Direktor Martin May ernsthaft gefährdet. Die Gruppe will sämtliche 44.000 Privatanleger, die rund 40 Prozent der Unternehmensanteile halten, mobilisieren und eine außerordentliche Generalversammlung erzwingen, um die befürchtete Zerschlagung der Firma zu verhindern.

Putsch im Vorstand

Hintergrund der Rebellion der Privatanleger war ein Putsch in der Vorstandsetage von PSG, der von institutionellen Großaktionären ausging. Der Versicherungskonzern Prudential, der 15 Prozent der Aktien besitzt, setzte zusammen mit zwei Schweizer Privatbanken die Ablösung von Iny durch, weil man das Vertrauen in ihn verloren habe. Der neue Mann Martin May ist bekannt als »turnaround«-Spezialist, der vorher Unternehmen saniert hatte, indem er deren als nicht essentiell betrachtete Vermögenswerte veräußerte. Genau diese Strategie fürchten die Privataktionäre: den Verkauf von Flughäfen und damit die Aufgabe des Plane-Station-Konzeptes, in der sie die langjährige Profitabilität des Unternehmens sehen. Die institutionellen Anleger, so der Vorwurf, würden jetzt eine Abwicklung der PSG und eine kurzfristige Gewinnmitnahme anpeilen.

Die Entlassung von Iny kam ironischerweise zu einem Zeitpunkt, an dem sich erste Früchte seiner Startegie abzeichnen. Der Flughafen Manston in Kent konnte im Februar seinen ersten Großkunden verpflichten. Die Fluglinie EUjet will ab Juni den Passagierverkehr auf 27 Routen von Manston aus starten. Der Aktienpreis stieg um 15 Prozent, als EUjet bekannt gab, dass man mit 300.000 Fluggästen im ersten und 2 Millionen im dritten Jahr rechnet.

Doch anscheinend setzten PSGs institutionelle Anleger kein Verrauen mehr auf eine erfolgreiche Verwirklichung des Flughafen-Geschäfts. Da hat die Entscheidung der Landesregierung Baden-Würrtemberg, keinen Passagierverkehr auf dem Flugplatz Lahr zu erlauben, sie wohl nur noch bestärkt, galt Lahr doch als der neben Manston meistversprechende Aktivposten im Netz der sieben Regionalflughäfen, die PSG weltweit besitzt. »Die Erteilung der Passagierfluglizenz« , hieß es im vergangenen Geschäftsbericht, »wird aufgrund der großen Nachfrage ein Wendepunkt in der Profitabilität von Lahr sein.« Damit wird es nun erstmal nichts. Obwohl die PSG umgehend Klage gegen die Entscheidung der Landesregierung vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim eingelegt hat, sieht die Zukunft für Lahr weniger rosig aus.

 
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