BI gegen einen Flugplatz Lahr e.V.

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vom 24. Februar 2004   ,         Badische Zeitung


 

Etwas Klarheit im Dunkel

Trotz aller Zweifel wurde auch OB Müller von den Ereignissen in Sachen Sukhoi überrollt

Von unserem Redakteur Manfred Dürbeck

 

LAHR. Nach der Festnahme der angeblichen Sukhoi-Repräsentantin Raissa S. am Dienstag, 17.Februar, laufen die Ermittlungen vor Ort, aber auch auf internationaler Ebene über Interpol und Bundesnachrichtendienst weiter. Gegenüber der Badischen Zeitung unterstrichOberbürgermeister Wolfgang G. Müller gestern noch einmal seine Überzeugung, dass dank des verantwortungsbewussten Handelns aller Beteiligten materieller Schaden habe vermieden werden können.

Allerdings sei der Ruf des Lahrer Flugplatzes wie auch der der renommierten russischen Flugzeugwerft durch die betrügerischen Machenschaften der 46-jährigen Dame nicht eben gefördert worden. Müller gab in diesem Zusammenhang eine detaillierte Chronologie der Ereignisse ab dem Mittwoch, 4. Februar - jenem Tag, an dem Raissa S. mit ihrem Lahrer Geschäftspartner als Kaufinteressenten im Lahrer Rathaus vorstellig geworden war.

Von Anfang an, so Müller, habe er Zweifel hinsichtlich der Seriosität der beiden gehegt (wir berichteten). Einen Tag später habe er bereits Kopien der gesammelten Dokumente des Duos nach Berlin ans Russlandreferat des Bundeswirtschaftsministerium abgeschickt, um sie auf ihre Glaubwürdigkeit und Aussagekraft hin überprüfen zu lassen: "Die Unterlagen waren überwiegend in russischer Sprache verfasst, zum Teil mit amtlich aussehenden Stempeln und Siegeln." Am 10. Februar habe er dann persönlich in Berlin die zuständigen Stellen im Ministerium kontaktiert.

Was meint man in Berlin?

Das Ergebnis dieses Besuchs hielt Müller in einem Papier fest, das er in Umrissen schon am vergangenen Freitag beim Pressegespräch publik gemacht hatte. Demzufolge wurde einerseits Sukhoi auf technischem Gebiet ein "ordentlicher Hintergrund" attestiert. Andererseits wurde in Zweifel gezogen, ob die Firma in der Lage sei, auf dem Lahrer Flugplatzareal finanziell über einen längeren Zeitraum zu kontinuierlichen Entwicklungsinvestitionen in der Lage sei. Als zutreffend erwies sich der Hinweis einer Kooperation von Sukhoi mit dem Allgäuer Unternehmen Liebherr Aerospace bei der Produktion des geplanten Regionaljets RRJ 75 B/LR. Die russische Werft hat Liebherr mit der Entwicklung und Produktion der Systeme für Luftmanagement und Flugsteuerung beauftragt, heißt es auf deren Internet-Homepage. Ob ernsthaft vorgesehen war, dieses Flugzeug einmal in Lahr zertifizieren zu lassen, bleibt vorerst im Dunkeln.

Alles andere als aussagefähig waren indes die Dokumente einer russischen Bank, mit denen Raissa S. nachweisen wollte, über 30 Millionen US Dollar verfügen zu können. Auch der vorgelegte Businessplan war unzureichend. Aus all diesen Gründen, so Müller gestern, habe er unter dem Strich dafür plädiert, die Verhandlungen mit der früheren Wiggins voranzutreiben. Mit diesen Informationen ging der Oberbürgermeister dann in die nichtöffentlichen Sitzungen des Gemeinderats (am 16. Februar abends) und des Zweckverbands (am Vormittag des 17.Februar). Im Laufe dieses Tages wurde dann auch er von den Ereignissen überrollt.

 
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