BI gegen einen Flugplatz Lahr e.V.

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vom 13. Dezember 2003   ,         Schweriner Volkszeitung


 

Flughafen: Kreis will jetzt Geld sehen

Kreistag Parchim lehnte Stundung der Raten ab / Wiggins: Finanzprobleme beseitigt

Udo Mitzlaff

 

Parchim. Die Geduld ist vorbei: Im nichtöffentlichen Teil der Kreistagssitzung am Donnerstag in Parchim lehnten die Abgeordneten einen Antrag der Wiggins-Gruppe auf Stundung der fälligen Raten für den Flugplatz ab.

Die vor der entscheidenden Sitzung der Parchimer Kreistagsabgeordneten von der Wiggins-Gruppe gestreuten Informationen verhießen Optimismus: Die Refinanzierung des Unternehmens sei gelungen, weil jetzt 40 Prozent der Anteile einer Gruppe von 70 institutionellen Anlegern gehören. Damit sei es möglich gewesen, die Verluste von 28 Millionen Pfund auf 13 Millionen Pfund zu drücken. Gleichzeitig wolle Wiggins 46 Millionen Pfund für Investitionen akquirieren.

"Damit sind die finanziellen Schwierigkeiten, die die Wiggins-Gruppe fast das ganze Jahr 2003 enorm viel Kraft gekostet haben, nunmehr beseitigt", teilt Andreas Wieczorke, Director Sales & Marketing mit.

Mit der Umstrukturierung des Kapitals nahm die Londoner Börse in dieser Woche den seit Juli ausgesetzten Handel mit Wiggins-Papieren wieder auf. Damit verbunden ist eine Umbenennung in "Planestation Group". Übersetzt heißt das in etwa Flugzeug-Bahnhof. So will das Unternehmen seine Fokussierung auf ein Flughafen-Netzwerk verdeutlichen.

Mit der Privatisierung des Parchimer Flughafens im Jahre 2001 hatte der Landkreis die Hoffnung verbunden, an das weltweite Netzwerk regionaler Flughäfen angebunden zu werden. "Der Absturz der weltweiten Konjunktur" verhinderte laut Wiggins bisher die kontinuierliche Umsetzung - und die Zahlung der vereinbarten Raten. Immer wieder marschierten Delegationen in Parchim auf, baten um Stundung der fälligen Raten. Die Abgeordneten hielten Wiggins lange die Stange. Doch die Frachtflieger kamen nicht, allenfalls sporadisch scheuchte eine riesige Antonow-Transportmaschine die rastenden Vögel von der Landebahn.

Jetzt wollte die Wiggins-Gruppe offenbar klare Signale setzen, das wenigsten sie selbst an ihr Konzept glaubt. Mit der Refinanzierung kündigte das Unternehmen den Bau einer multifunktionalen 1800 Quadratmeter großen Frachthalle auf dem Parchimer Flughafen an. In der "nächsten Zukunft" sollten dann die Luftfracht-Aktivitäten verstärkt werden. Wieczorke: "Mit der Ansiedlung von IP-International, einem deutsch-finnischen Logistikunternehmen, ist hierzu ein weiterer Grundstein gelegt." Zudem unterstütze man die seit längerem geplante Ansiedlung einer Kleinflugzeug-Reparaturwerft. Als weiteres Signal in Richtung Fluggesellschaften gilt die Berufung von Geoffrey Ambrose in die Geschäftsleitungsebene. Ambrose hat langjährige Erfahrung in der Luftfahrtbranche.

Mit dem Durchstarten im Frachtbereich will sich das Unternehmen auch im Passagierverkehr engagieren. "Innerhalb des nächsten Jahres" soll in Zusammenarbeit mit örtlichen Reisebüros von Parchim aus der Sprung über den Atlantik möglich werden. Die Wiggins Gruppe habe einen langfristigen Vertrag mit dem Flughafen Melbourne/Florida abgeschlossen und werde dort unter der Marke "PlaneStation" den internationalen Terminal betreiben. Melbourne liegt in der Nähe von Disney World. Wöchentlich zwei Direktflüge von England sind bereits vereinbart. Eine Marktlücke wäre die Verbindung Parchim-Florida dewshalb, weil zurzeit keine Direktverbindung zwischen Norddeutschland und Nordamerika existiert.

Trotz der hochfliegenden Wiggins-Ankündigungen blieben die Abgeordneten des Kreistags lieber am Boden und deuteten die Meldungen von den gelösten Finanzproblemen anders: Wenn es denn so sei, könne die Gruppe endlich zahlen.

 
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