Archiv
vom 29. Juli 2002 , Badische Zeitung
Kritik an Internet-Auftritt von Wiggins
Flugplatzgegner werten Aussagen als "Wunschdenken" und fordern die Offenlegung der Pläne
|
LAHR (BZ). Bei ihrem monatlichen Treffen konnten die Lahrer Flugplatzgegner jetzt die ersten Ergebnisse ihrer Nachforschungen zu den weiteren Plänen von Wiggins mitteilen. Die Gruppe brauche dringend Kapital und habe zu diesem Zweck 46 750 neue Aktien ausgegeben, die etwa 4,95 Millionen Pfund Sterling einbringen sollen. Das britische Maklerbüro KBC Peel Hund Ltd. hat dazu eine entsprechende Bewertung verfasst. Laut KBC seien im vergangenen Jahr in Lahr 5000 Tonnen Fracht umgesetzt worden. Bis in drei Jahren sollen es 100 000 Tonnen jährlich sein. Im Jahr 2005 soll es außerdem 500 000 Passagiere geben. KBC berichte, Wiggins habe den Antrag auf unbegrenzten Passagierflugbetrieb ("Full passenger license") gestellt. Beginnen solle der Personenflugbetrieb in Lahr mit der Billigfluglinie Berlin Jet, die zunächst mit einer Boeing 737 nach Parchim fliegen wolle und bis Ende des Jahres eine Flotte von sechs Boeings einplane. Zwei Dinge stören die Fluggegner besonders an diesem Papier. Die richterliche Genehmigung des Frachtfluges sei noch keinen Monat alt. Zwar hätten die Umlandgemeinden im Konsens-Vertrag mit der Flugplatz GmbH festgelegt, dass es in den nächsten fünf Jahren keine Änderungen dieser Vereinbarung geben werde. Das gelte aber nur für Frachtverkehr. Über andere Änderungen, zum Beispiel Aufnahme des Passagierbetriebs, müsse der Flugplatz die Gemeinden lediglich rechtzeitig (vor Einreichen des Antrags) informieren. Dass ausgerechnet die Billiglinie Berlin Jet den Beginn des Passagierflugs in Lahr einleiten soll, erscheint der BI geradezu grotesk. Die Geschichte von Berlin Jet könne einer Seifenoper entnommen sein, so BI-Sprecher Rainer Kuhlen: Zwei Berliner Studenten seien von der irischen Billiglinie Ryan Air fasziniert gewesen. Zusammen mit einem Kunstflieger (Pilotenlizenz) gründeten sie Ende 2001 die "Berlin Jet". Geld hätten sie keines, eigene Flugzeuge auch nicht. Eine Betriebsgenehmigung sei beantragt, aber noch nicht entschieden. Dass Berlin Jet Lahr in die Luft bringen wird, erscheint der Bürgerinitiative als unwahrscheinlich. Wird Lahr zum Standort für eine Antonov?Allerdings habe Wiggins auf seinen Internet-Seiten ein positives Resultat aus den ersten sechs Monaten der Arbeit von Ann Reynolds gezogen. So hätten Test-Frachtflüge nach Venezuela wie auch von und nach Vietnam stattgefunden (mit Frischwaren). Ein bedeutender Luftfrachter wolle eine Antonov in Lahr stationieren. Außerdem sei in Zusammenarbeit mit Straßburg geplant, trans-atlantische Flüge ab Lahr anzubieten, zum Beispiel zu den Themen- und Freizeitparks in Florida/USA. Möglich, so Wiggins, seien auch Flüge der Straßburger EU-Politiker von Lahr nach Washington. Nach Ansicht der Flugplatzgegner ist ein Großteil des Internet-Auftritts von Wiggins reines Wunschdenken und erinnere an eine andere "Luftnummer", deren unrühmliches Ende jetzt aktuell in Lahr über die Bühne gehe. 1995 hätten Lahrer Stadträte den Aufbau eines nationalen Zentrums für geografische Datenverarbeitung versprochen und die Gründung eines "Geomatic Parcs" beschlossen. Bis 1999 sollten dort 25 Betriebe mit 280 Mitarbeitern einen Umsatz von 112 Millionen Mark erzielen. "Ohne Fliegen macht Geomatics-Park keinen Sinn", habe der damalige Chef des Flugplatzes, Wilhelm Peters, getönt. Trotz der damals erteilten Genehmigung, so die BI weiter, habe sich seither nur ein Betrieb dieser Branche dort angesiedelt, die "Geomatics International Germany GmbH". Diese Firma müsse jetzt Insolvenz anmelden, auch die Stadt Lahr soll nach Informationen der BI zu ihren Schuldnern gehören. Die Flugplatzgegner forderten schließlich in ihrer jüngsten Versammlung Wiggins auf, die Pläne offen zu legen. Darüber hinaus sei zu hoffen, dass die Politiker, die bisher den britischen Flugplatzbetreibern ihre volle Unterstützung gegeben hätten, damit begännen, ihre Haltung kritisch zu hinterfragen. |
