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vom 1. September 2000 , BI-Schreiben
Antrag der FLG zur Aufhebung der Tonnagebegrenzung
Folgender Brief ging im September 2000 an alle Gemeinde- und Ortschaftsräte der umliegenden Gemeinden :
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In den nächsten Tagen beraten die Gemeinde- und Ortschaftsräte der Lahrer Umlandgemeinden über die Anträge der Flugplatz Lahr GmbH (FLG). Kernpunkte sind... Tonnagefreigabe - die max. Tragfähigkeit der Landebahn wird entscheidendes Kriterium, alle Typen sollen landen können. Nachtflüge - nach 22 Uhr, sollen nur noch mit Kapitel III Maschinen erfolgen, höchsten 6 Flugbewegungen pro Nacht (inkl. der Postnachtflüge) Status - Verkehrslandeplatz wird beibehalten und erweitert um den Sonderflughafen Fracht. Die FLG erhofft sich dadurch Kosteneinsparungen, ein regulärer Verkehrsflughafen müßte ständig besetzt sein Interessant sind die Details der beiden (jeweils über 80 Seiten) Gutachten, die wohl größtenteils ungelesen bleiben werden. Ursprünglich (Entwurf E u.H) wurde die Genehmigung von Flugzeugen der Lärmkategorie "Kapitel II" ausdrücklich gefordert. (Kapitel II Maschinen sind zumeist ältere und überlaute Krachmacher, in den USA werden sie nicht mehr neu zugelassen. In der BRD gilt ab 2002 ein Verbot der Neuzulassung dieser Maschinen). Im Vergleich zu den beiden vorherigen Antragsentwürfen wird jetzt in den neuen Anträgen manches einfach nicht mehr erwähnt. War in den Entwürfen E u. H noch von 18, bzw. 6-8 verspäteten nächtlichen Landungen die Rede, so liest man davon nichts mehr. Im Lärmgutachten aber heißt es daß 2004 (6 verkehrsreichsten Monate = 6vM) von 287 nächtlichen Flugbewegungen (nicht die Postflüge) ca. 104 verspätete Landungen sein werden, die nach 24 Uhr stattfinden sollen (Lärmgutachten, Bericht 172-2.1-99-12 Seite 10 von 11). Bekanntlich hat die Post der BI mitgeteilt, daß sie die Lahrer Postnachtflüge zum 28.10.00 einstellt. Das weiß auch die FLG, warum aber rechnet sie diese Flüge noch mit ein? Frachtflug = Nachtruhe ? Unter diesem Motto stellte die FLG ihre neuen Anträge vor. Wer wird in 2004 nachts in Lahr fliegen? Im Antrag heißt es zwischen 22 und 24 Uhr sollen nur Kapitel III (keine Kapitel II) Maschinen fliegen. Kapitel III wäre z.B. derbisherige Postflieger vom Typ Focker F 27, mit dann 562 nächtlichen Flugbewegungen. Geplant sind auch 287 Flugbewegungen mit Boeing 747. Die Einstufung in Kapitel III bedeutet aber nicht automatisch weniger Lärm. Die Lärmgutachter selber weisen darauf hin, daß es sowohl B 747 gibt, die als Kap. III klassifiziert sind, wie solche B 747 (B 747-200) älteren Baujahrs, die noch zu Kap. II zählen.Oft werden im Frachtbereich umgebaute alte Passagiermaschinen eingesetzt, die einen zusätzlichen Schalldämpfer (Hushkit) erhalten haben, nicht leiser sind wie vorher, jetzt aber als leisere Kapitel III Maschinen fliegen dürfen. Wie das Lärmgutachten zeigt, wird es nichts mit "mehr Nachtruhe durch Frachtflug" In Langenwinkel, Schutterwald, Schuttern und Schutterner Campingplatz werden nächtliche Maximalpegel von 80-85 Dezibel (dB/A) erwartet, Lärmpegel von 85-90 dB/A wird es in Schutterwald, Hugsweier, Schuttern und Campingplatz geben. 90-95 dB/A und sogar einzelne Flüge bis 100 dB/A werden am Campingplatz (Naherholungsgebiet) Schuttern erreicht. Das sind nur die Werte an den offiziellen Meßpunkten, Orte wie Schutterzell wurden gar nicht berücksichtigt. Übrigens: Der Lärmpegel eines Feuermelder wie er in Wohnungen installiert wird, um die Bewohner bei Bränden zu wecken entspricht 85 dB/A. Tagfluglärm - nicht weiter wichtig? Bis 2004 sollen gegenüber 1998 tagsüber 85,6% mehr Flugbewegungen stattfinden (6vM). Das Lärmgutachten listet eine Reihe von Kap. II Maschinen auf, die in Lahr fliegen sollen. DC 9, Tupolev Tu 134, Tu 154, B 737-200, B 727-200, DC 10, und B 747 älteren Typs als auch ältere Typen der DC 8 sowie Iljuschins und Antonovs. All diese besonders lauten Maschinen werden zukünftig die Umgebung Lahrs verlärmen. Zwar bestreiten die Gutachter gesundheitliche Gefährdungen durch den Tagflugbetrieb, die Lärmbelastung wird aber enorm zunehmen, das sehen auch die Lärmforscher. Für Langenwinkel gehen sie von einer Erhöhung der täglichen Lärmpegel um 11,6 dB/A aus. 10 dB/A entspricht einer Verdoppelung des Lärms. Das Gutachten schließt nicht aus, das z.B. in Hugsweier Schallschutzmaßnahmen am dortigen Kindergarten und der Schule ergriffen werden müssen. Durch den erhöhten Lärmpegel rückt der Flugplatz näher an die Dörfer heran. Mit dem Argument, die Interimsflüge hätten gezeigt, daß das alles nicht so schlimm ist, soll die Öffentlichkeit getäuscht werden. Wie schon erwähnt werden im Frachtflugbetrieb meist ältere laute ausrangierte Passagiermaschinen eingesetzt. Nachzulesen alles in den ausliegenden Lärmgutachten. Fadenscheinige Begründung Hauptbegründung der Flugplatz GmbH für einen Frachtflughafen ist eine angeblich vorhandene "Frachtfluglücke" in Baden-Württemberg, zuwenig Kapazitäten, um steigendes Frachtaufkommen umschlagen zu können. Nur Lahr könne das Luftfrachtgeschäft ausweiten. Auch das ist völlig falsch, und eine Schutzbehauptung, um schneller an die Genehmigung für die Tonnagefreigabe zu kommen. Tatsächlich wird überall im Land und auch jenseits des Rheins die Luftfrachtkapazität ausgedehnt. Zu viele offene Fragen Ein Frachtflughafen Lahr stünde nicht gegen die Verkehrsinteressen des Landes, heißt es jetzt. Der geplante 6-spurige Ausbau der Autobahn wird erheblichen zusätzlichen Verkehr bringen. Die Frage, wie die für Lahr vorgesehenen 150.000 to Luftfracht verteilt und dann per LKW weiter transportiert werden, wird im neuen Antrag nicht mal erwähnt. "Zuverlässige Betreiber"-noch so eine Lüge. In ihren Anträgen bescheinigt sich die Flugplatz GmbH selber ihre "Zuverlässigkeit". Angesichts der bisherigen Verdrehungen, Fälschungen und Beschönigungen, mit denen die FLG an die Öffentlichkeit getreten ist, erscheint das als ziemlich dreist. Noch im Frühjahr dieses Jahres versprach FLG-Chef Jäger den Friesenheimer und Neurieder Gemeinderäten ein Luftfrachtaufkommen von 584.000 to in 2005. Im Sommer reduzierte er auf 200.000 to und nun sind es "nur" noch 150.000 to in 2004. Und selbst die sind ungelegte Eier, Wunschträume. Äußerst "zuverlässig" nannte er noch vor einem halben Jahr die "sicheren" Großinvestoren ("Vorverträge"), die angeblich Lahr entwickeln wollten. Swissair, Lufthansa und Danzas/Post AG haben dankend abgewunken und auch Wiggins wird sich wohl nicht für Lahr entscheiden. Bereits bei der Genehmigung von 1995 fiel die Genehmigungsbehörde auf diese "Zuverlässigkeit" herein. Die Flugplatz GmbH habe ausreichend nachgewiesen, daß 30 Betriebe sofort und weitere 50 Betriebe absehbar in Lahr ansiedeln würden, wenn ziviler Flugbetrieb möglich sei, so schrieb es das Regierungspräsidium 1995 in die Genehmigung. Hohle Versprechen waren das, Zweckoptimismus der Betreiber. Solange nicht öffentlich bekannt ist, wer die zwei Frachtlinien sind, die angeblich an Lahr interessiert sind, solange gehen wir davon aus, daß auch das nur erst mal eine Schutzbehauptung ist, und keineswegs tatsächlicher Bedarf! Kein Ende der Salamitaktik Die Tonnagefreigabe ist eine Voraussetzung für Frachtflugbetrieb. Die FLG weiß, daß die Region eine Entwicklung auf dem Flugplatzgelände will und daß viele Entscheidungsträger hoffen, mit ihrer Zustimmung dazu beitragen zu können, ohne der Region die Geißel eines Nachtflugbetriebs zu bescheren. Auch die neuen Anträge stehen in der Tradition der "Salamitaktik". Man kann das Ganze aber auch von der anderen Seite betrachten: das Beharren auf größtmöglichem Flugbetrieb verhindert eine positive Entwicklung der Region. Ohne Landebahn wäre sofort die von BMW für sein neues Werk geforderte Fläche parat, und Flugplätze bis in 100 km Nähe gäbe es trotzdem. Ein Frachtflughafen Lahr wird unbestreitbar eine Verschlechterung der Lebensqualität in unserer Region bewirken. Im Tag- wie im Nachtflugbetrieb wird es zu einer weiteren Verlärmung kommen. Jetzt der Tonnagefreigabe zuzustimmen, bedeutet, die Grundlagen zu schaffen, auf der in wenigen Jahren dann auch die völlige Freigabe der Betriebszeiten, sprich das Fallen des Nachtflugverbots, beantragt werden würde. Die Salamitaktik würde weitergehen. Wir hoffen sehr, daß Sie die von uns gewählten politischen Vertreter, einer solchen Entwicklung nicht zustimmen. Bitte helfen auch Sie mit und unterstützen Sie unsere Initiative: Klicken Sie auf unsere Unterschriftslisten, lassen Sie diese ausdrucken und senden Sie diese noch heute an Dieser Brief ging im September 2000 an alle Gemeinde- und Ortschaftsräte der umliegenden Gemeinden Weiterführende Informationen zum Thema Fluglärm und Umweltbelastung erhalten Sie unter... Bundesvereinigung gegen Fluglärm e.V. oder www.Luftverkehrsinfo.de |
